Nun bist Du ganz vorn und bekannt…
An Amt oder Mandat habe ich nicht gedacht. Mein ursprünglicher Impuls treibt mich immer noch. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass ich mit mehr eigenem Aktivismus mehr bewegen könnte. Ich habe vorher Vereine gegründet, die Nachbarschaft organisiert und sowas. Aber Partei tickt anders, das merke ich bei diesen ewigen Gremienberatungen.
Woran denkst Du, wenn Du an Deine Kindheit und Jugend denkst?
Ich war viel draußen, das ist so auf dem Lande. Viele Freunde aus Kita und Schule, die habe ich heute noch. Ein jüngerer Bruder, liebevolle Großeltern. Ich war die erste, die Abi machte und studierte. Alle anderen machten Ausbildung und schafften mit 16, das war so in der Familie. Die Realität des Studiums war eine andere, das hat mich schon überrascht. Vorher habe ich als Pflegehilfskraft gearbeitet. Die Kindergottesdienste, evangelisch, ich habe das mit der Nächstenliebe ernst genommen. Später kamen die Menschenrechte dazu, auch eine gute Idee, wie ich fand.
Wie ist Dein Leben heute?
Viel Parteiarbeit, ich bin Tante geworden, wohne wieder im Dorf meiner Kindheit. Bin in einer glücklichen Beziehung. Habe einen enormen Bewegungsdrang, mache viel Sport und höre Landtagsreden beim Workout im Studio.
Wovon träumst Du?
Von einer Welt ohne Hunger und Armut, beides ist ja menschengemacht und kann von Menschen beseitigt werden – oder? Von einer friedlichen Welt und davon das sich die Menschen vernetzen, um das zu schaffen.
Was treibt Dich an?
Die Ungleichheit, die ich schon früh empfunden habe. Überfluss und hungernde Kinder, ich verstehe das bis heute nicht. Wenn bei einer Sozialberatung ein 82-jähriger Mann vor mir sitzt, der noch Teilzeit arbeiten muss und einen beschissenen Kassentarif hat, aber Herzinfarkt – das muss doch anders gehen! Die Freundin, allein mit drei Kindern, wie die sich strecken muss.
Ich habe früh auch die Diskriminierung von Frauen erfahren. Das wird nicht ernst genommen. Wir machen schon in der Schule Selbstverteidigungskurse und die Jungs lernen nicht, wie Respekt geschrieben wird. Hier müsste Geld in die Hand genommen werden.
Woran glaubst Du?
An Zusammenhalt, nicht allein – so ist man tausendmal stärker. Ich weiß, große Veränderungen wird es nicht durch Parlamente geben, das schaffen wir nur außerhalb. Aber einiges geht da schon, parlamentarisch, denke ich.
Wo würdest Du gern leben?
Ich mag Rheinland-Pfalz, lebe gern hier. Und ich will dafür was tun, dass viele Menschen gern hier leben.